EMG-System kaufen: der Hardware-Leitfaden mit Checkliste
EMG-System kaufen ohne Fehlkauf: 10 Kriterien, Entscheidungs-Matrix, 3 Praxis-Szenarien und kostenlose Checkliste. Neutraler Hardware-Leitfaden für Praxis, Klinik und Forschung.
Wer ein EMG-System kaufen will, steht vor einer Anschaffung für Jahre – und einer der häufigsten Fehlkäufe in Praxis, Klinik und Forschung ist das falsch dimensionierte System. Das 36-Kanal-Forschungssystem, das in der Physiopraxis zu 90 % ungenutzt bleibt. Das Einsteiger-System, das im Bewegungslabor an der Kanalzahl scheitert. Das günstige Gerät, das für die geplante klinische Anwendung nicht die passende MDR-Klasse hat.
Die gute Nachricht: Diese Fehlkäufe sind vermeidbar. Denn es gibt kein „bestes“ EMG-System – nur das für Ihren Bedarf passende. Dieser Leitfaden führt Sie durch die 10 Kriterien, die vor jedem Kauf geklärt sein sollten, ordnet sie drei typischen Anwenderprofilen zu und rechnet drei Praxis-Szenarien durch. Am Ende steht eine kostenlose Checkliste, mit der Sie Ihren eigenen Bedarf strukturiert festhalten können.
In Eile? Springen Sie direkt zur Schnell-Orientierung mit den drei Anwenderprofilen oder zur Entscheidungs-Matrix.
Kostenlose EMG-Hardware-Kauf-Checkliste (PDF) – die Kaufkriterien als abhakbare Entscheidungshilfe zum Mitnehmen ins Beratungsgespräch. Checkliste herunterladen (PDF, 4 Seiten)
Schnell-Orientierung: drei Wege durch diesen Leitfaden
Bevor Sie ein EMG-System kaufen und sich in Spezifikationen vertiefen, hilft eine grobe Selbsteinordnung. Die meisten EMG-Käufer fallen in eines von drei Profilen – und für jedes ist die Gewichtung der Kriterien eine andere.
1. Kleine Praxis, Rehabilitation, Biofeedback, Lehre. Sie messen meist wenige Muskeln (Seitenvergleich, einzelne Muskelketten), oft dieselben Patienten wiederholt. Portabilität, einfache Bedienung und ein niedriger Einstieg wiegen schwerer als maximale Kanalzahl. Besonders relevant: Kriterien 1 (Kanalzahl), 2 (Konnektivität), 10 (Software & TCO).
2. Klinische Routine, etabliertes Labor. Sie brauchen reproduzierbare Ergebnisse im Tagesbetrieb, oft mit medizinrechtlichen Anforderungen. Zuverlässigkeit, MDR-Klasse und Signalqualität stehen oben. Besonders relevant: Kriterien 3 (Signalqualität), 8 (MDR-Klasse), 6 (Akku & Memory).
3. Forschung, Ganzkörper-Analyse, Integration. Sie kombinieren EMG mit Kinematik, Kraftmessplatten oder Motion-Capture und brauchen viele Kanäle plus offene Schnittstellen. Besonders relevant: Kriterien 1 (Kanalzahl), 7 (IMU), 9 (Integration & Export).
Merken Sie sich Ihr Profil – in der Entscheidungs-Matrix und den Praxis-Szenarien kommen wir darauf zurück.
EMG-System kaufen: die 10 wichtigsten Kaufkriterien
Jedes Kriterium beantwortet drei Fragen: Was bedeutet es? Wie bestimme ich meinen Bedarf? Worauf achte ich bei der Hardware?
1. Kanalzahl – wie viele Muskeln gleichzeitig?
Was es bedeutet. Ein Kanal misst einen Muskel (genauer: eine Ableitstelle). Die Kanalzahl bestimmt, wie viele Muskeln Sie gleichzeitig und synchron erfassen können. Sobald Sie Bewegungen analysieren, bei denen mehrere Muskeln zusammenspielen – etwa Agonist und Antagonist oder eine ganze Muskelkette beim Gehen – müssen alle relevanten Kanäle zeitgleich aufzeichnen, sonst sind die Signale nicht vergleichbar.
Bedarf bestimmen. Zählen Sie die Muskeln Ihrer typischen Fragestellung, nicht Ihres seltensten Sonderfalls:
- Seitenvergleich / einzelner Muskel: 2 Kanäle
- Muskelkette / funktionelle Bewegung: 4–8 Kanäle
- Ganzkörper-Ganganalyse, komplexe Sportbewegung: 16 Kanäle und mehr
Worauf achten. Überdimensionierung ist der häufigste Fehlkauf (siehe Häufige Fehler). Prüfen Sie, ob das System mitwachsen kann. Im menios-Portfolio deckt PicoBlue bis zu 4 Kanäle ab (Praxis, Reha), Wave Plus 32 Kanäle (Labor), WaveX 18 oder 36 Kanäle mit erweiterbarer Architektur (Forschung, Ganzkörper).
2. Konnektivität & Receiver – wie kommen die Daten zum Rechner?
Was es bedeutet. Kabellose EMG-Systeme übertragen ihre Daten auf zwei grundsätzlich verschiedene Arten: direkt per Bluetooth an einen vorhandenen PC/Tablet, oder über einen dedizierten Receiver (Funk/RF) als Basisstation. Bluetooth-direkt ist maximal einfach und portabel – kein Zusatzgerät, in Sekunden verbunden. Ein RF-Receiver ist aufwendiger, bietet dafür stabile Übertragung über größere Distanzen, mehr gleichzeitige Kanäle und Analog-Ausgänge zur Synchronisation mit anderer Messtechnik.
Bedarf bestimmen. Messe ich mobil am Behandlungsplatz (→ Bluetooth-direkt reicht) oder in einem festen Labor mit weiterer Messtechnik und großen Distanzen (→ Receiver)?
Worauf achten. Bluetooth-direkte Systeme wie PicoBlue verbinden bis zu 4 Sensoren ohne Receiver direkt mit PC, Laptop oder Tablet. Receiver-Systeme wie Wave Plus (induktive Ladung) und WaveX (Touchscreen-Receiver, WiFi-Download) sind auf Laborbetrieb ausgelegt.


3. Abtastrate & Signalqualität – wie sauber ist das Signal?
Was es bedeutet. Die Abtastrate (Hz) gibt an, wie oft pro Sekunde das Signal digitalisiert wird. Das Nutzsignal des Oberflächen-EMG liegt überwiegend zwischen ca. 20 und 400–500 Hz; nach dem Abtasttheorem braucht es also mindestens ~1000 Hz. 2000 Hz geben Reserve, u. a. für Frequenzanalysen (Median-/Mean-Frequenz, Ermüdungsdiagnostik). Mindestens ebenso wichtig sind die analogen Qualitätsmaße:
- CMRR (Common Mode Rejection Ratio): Unterdrückung von Störungen, die auf beiden Elektroden gleich anliegen (z. B. Netzbrummen). Werte über 100 dB sind sehr gut.
- Baseline-Rauschen: das Eigenrauschen des Verstärkers in Ruhe. Werte unter ~3 µV sind gut.
- Eingangsimpedanz: hoch (>100 MΩ) sorgt dafür, dass das Signal nicht durch den Hautwiderstand verfälscht wird.
Bedarf bestimmen. Für Biofeedback und einfache Aktivierungsmessung genügt 1000 Hz. Für Forschung, Ermüdungs- und Frequenzanalysen sind 2000 Hz und exzellente Analogwerte sinnvoll.
Worauf achten. Lassen Sie sich nicht von der Abtastrate allein blenden – ein 2000-Hz-Wandler hinter einem verrauschten Verstärker liefert keine besseren Daten. Die menios-Systeme Wave Plus und WaveX arbeiten mit 2000 Hz, 16-bit, CMRR >100 dB, Baseline-Rauschen <3 µV und >100 MΩ Eingangsimpedanz; PicoBlue mit 1000 Hz für den Einstieg. Wie man das Signal richtig liest, erklärt unser Grundlagenartikel „Oberflächenelektromyographie: Grundlagen“.
4. Sensor-Formfaktor & Gewicht – Tragekomfort und Artefakte
Was es bedeutet. Der Sensor sitzt direkt auf dem Muskel. Ist er schwer oder klobig, „schwingt“ er bei Bewegung mit und erzeugt Bewegungsartefakte – Störungen, die echte Muskelaktivität überlagern. Leichtere, kleinere Sensoren sitzen ruhiger und erlauben Messungen auch an kleinen oder schwer zugänglichen Muskeln.
Bedarf bestimmen. Statische Messungen (Patient sitzt/steht ruhig) sind unkritisch. Sobald dynamisch gemessen wird – Gang, Sprung, Sport – wird geringes Gewicht entscheidend.
Worauf achten. Aktuelle Sensoren liegen zwischen etwa 7 und 12 g. Im menios-Portfolio: PicoLite mit 7 g (kleinstes kabelloses EMG der Welt), Pico EMG ebenfalls im 7-g-Bereich, PicoX 9,5 g (EMG+IMU), MiniX 11,2 g (EMG+IMU), PicoBlue 8 g. Achten Sie auf symmetrische Bauform (minimiert Artefakte) und variable Elektrodenabstände.

5. Reichweite & Einsatzumgebung – wie weit muss das Signal tragen?
Was es bedeutet. Die Funkreichweite bestimmt, wie weit sich der Proband vom Empfänger entfernen darf, ohne dass Daten abreißen. Ein Behandlungsraum stellt andere Anforderungen als eine 40-Meter-Ganghalle oder ein Sportfeld.
- Praxisraum / Behandlungsplatz: ~10 m genügen
- Bewegungslabor, Ganghalle, Sporthalle: 40 m und stabile Übertragung nötig
Worauf achten. Bedenken Sie Störquellen (WLAN, andere Funktechnik) und ob Onboard-Memory (Kriterium 6) die Reichweite entschärft – bei autonomer Aufzeichnung muss das Signal gar nicht live übertragen werden. PicoBlue deckt ~10 m ab, Wave Plus und WaveX bis 40 m indoor.
6. Akkulaufzeit & Onboard-Memory – Streaming oder autonome Aufzeichnung?
Was es bedeutet. Zwei Aufzeichnungsmodi: Streaming (Daten gehen live an den Rechner) und Onboard-Recording (der Sensor speichert selbst, Daten werden später ausgelesen). Onboard-Memory macht Messungen ohne Funkverbindung und über große Distanzen möglich. Die Akkulaufzeit bestimmt, wie lange eine Session am Stück laufen kann.
Bedarf bestimmen. Kurze Praxissessions mit Live-Feedback → Streaming genügt. Lange Feldmessungen, Sport, Distanz → Onboard-Memory wertvoll.
Worauf achten. PicoBlue streamt (kein Onboard-Memory) bei 18 h Akku – ideal für den Praxisalltag mit Live-Feedback. Wave Plus und WaveX bieten je 8 h Onboard-Speicher; WaveX 10–20 h Akku, Wave Plus induktive Ladung. Prüfen Sie das Ladekonzept: induktiv (kein Steckkontakt-Verschleiß) vs. USB-C (schnell, universell).
7. Bewegungsanalyse (IMU) – reines EMG oder EMG + Kinematik?
Was es bedeutet. Eine IMU (Inertial Measurement Unit) misst Beschleunigung und Drehrate – also Bewegung und Gelenkwinkel. Sensoren mit integrierter IMU liefern EMG (Muskelaktivität) und Kinematik (Bewegung) synchron aus einem Gerät. Das ist Gold wert, wenn Sie wissen wollen, wann in der Bewegung ein Muskel wie aktiv ist.
Bedarf bestimmen. Reine Aktivierungsmessung (Biofeedback, isometrisch) braucht keine IMU. Ganganalyse, Sporttechnik und Bewegungsforschung profitieren stark davon.
Worauf achten. PicoBlue ist reines EMG (keine IMU). Bei Wave Plus liefert der WaveTrack-IMU-Sensor die Kinematik. WaveX bietet EMG+IMU direkt in den Sensoren MiniX und PicoX (bis 500 Hz IMU-Rate), plus reine IMU-Sensoren (TrackX). Prüfen Sie, ob EMG und IMU wirklich synchron im selben Datenstrom liegen.
8. Regulatorik: MDR-Klasse – was Ihre Anwendung verlangt
Was es bedeutet. In der EU regelt die Medizinprodukteverordnung (MDR 2017/745), welche Geräte für medizinische Zwecke am Patienten eingesetzt werden dürfen. Für EMG relevant sind vor allem Klasse I (geringes Risiko) und Klasse IIa (höheres Risiko, u. a. bei bestimmten diagnostischen/therapeutischen Zweckbestimmungen). Entscheidend ist die Zweckbestimmung: Ein Gerät für Training, Sport oder Lehre stellt andere Anforderungen als eines, das zur medizinischen Diagnose oder Therapieentscheidung dient.
Bedarf bestimmen. Klären Sie vor dem Kauf mit Blick auf Ihre konkrete Anwendung, welche Klasse Sie benötigen – im Zweifel mit dem Hersteller und Ihrer regulatorischen Verantwortung im Haus. Eine höhere Klasse ist dabei nicht automatisch „besser für die Klinik“ – maßgeblich ist, dass die Zweckbestimmung des Geräts zu Ihrer Anwendung passt.
Worauf achten. PicoBlue ist MDR Klasse I (Einstieg, Reha, Biofeedback, Lehre). Wave Plus und WaveX sind MDR Klasse IIa (Wave Plus zusätzlich ISO 13485) – passend für klinische Routine und Forschung mit medizinischer Zweckbestimmung. Die MDR-Klasse lässt sich nachträglich nicht „upgraden“ – sie ist ein Kaufkriterium, kein Zubehör.
Hinweis: Diese Angaben ersetzen keine regulatorische Beratung. Maßgeblich ist immer die konkrete Zweckbestimmung Ihrer Anwendung.
9. Integration & Datenexport – passt es in Ihr Ökosystem?
Was es bedeutet. Selten steht ein EMG-System allein. In Laboren wird es mit Kraftmessplatten, Fußdruckmessung (footscan), Motion-Capture (Vicon, Qualisys, OptiTrack, Xsens) und anderer Messtechnik synchronisiert. Dafür braucht es Analog-Ausgänge (für Hardware-Sync), offene Exportformate (C3D, ASCII/CSV) und idealerweise ein SDK.
Bedarf bestimmen. Arbeiten Sie eigenständig (→ Standard-Export genügt) oder betreiben Sie ein integriertes Labor (→ Analog-Sync und offene Schnittstellen sind Pflicht)? Bei Ausschreibungen sind diese Punkte oft Ausschlusskriterien.
Worauf achten. Wave Plus bietet 66 konfigurierbare Analog-Ausgänge, WaveX 40. Beide integrieren sich in bestehende Motion-Capture- und Kraftmessplatten-Setups – Cometa-EMG ist systemagnostisch und ergänzt vorhandene Labore, statt sie zu ersetzen. PicoBlue bietet ein SDK für Windows und Low-Level-BLE-Integration. Details auf unserer Seite „EMG für Forschung und Motion-Capture“.
10. Software, Workflow & Gesamtkosten (TCO)
Was es bedeutet. Die Hardware ist nur die halbe Miete. Die Software entscheidet über den Arbeitsalltag: Wie schnell komme ich vom Signal zur Auswertung? Und die Gesamtkosten (Total Cost of Ownership) umfassen mehr als den Anschaffungspreis: Software-Lizenzen, Schulung, Support, Verbrauchsmaterial (Elektroden), Wartung.
Bedarf bestimmen. Reicht ein kostenloses Analyse-Tool für Standardauswertungen, oder brauchen Sie spezialisierte Biofeedback-Software für Therapie und Training? Letzteres ist eine eigene Softwarewelt.
Worauf achten. Zu allen menios-EMG-Systemen gehören die kostenlosen EMG & Motion Tools für die Standardauswertung. Für Biofeedback-Anwendungen lohnt der Blick auf spezialisierte Software – eine detaillierte Kostenbetrachtung inklusive Lizenzmodellen und Break-Even-Rechnung finden Sie bei unserem Schwesterportal easyEMG. Rechnen Sie die Softwarekosten immer in die Kaufentscheidung ein – sie werden am häufigsten übersehen.
Entscheidungs-Matrix: die drei menios-EMG-Systeme im Vergleich
Nur drei Produkte im menios-Portfolio sind echte EMG-Systeme (footscan, 3D-Scanner und InsoleX messen Druck bzw. Geometrie und gehören nicht in diesen Vergleich):



| Kriterium | PicoBlue – Entry | Wave Plus – Established | WaveX – Flagship |
|---|---|---|---|
| Kanäle | bis 4 | 32 | 18 / 36 (erweiterbar) |
| Konnektivität | Bluetooth LE direkt, kein Receiver | Receiver (RF), induktive Ladung | Receiver (RF), Touchscreen, WiFi |
| Abtastrate EMG | 1000 Hz | 2000 Hz | 2000 Hz |
| Auflösung | – | 16-bit | 16-bit |
| Sensorgewicht | 8 g | Mini Wave / Pico ~7 g | PicoLite 7 g · MiniX 11,2 g |
| Reichweite | ~10 m | 40 m | 40 m |
| Akku | 18 h | induktiv (8 h Betrieb) | 10–20 h |
| Onboard-Memory | Streaming (kein Onboard) | 8 h | 8 h |
| IMU / Kinematik | nein (reines EMG) | WaveTrack IMU | MiniX / PicoX (EMG+IMU), TrackX |
| MDR-Klasse | Klasse I | Klasse IIa (+ ISO 13485) | Klasse IIa |
| Analog-Ausgänge | – (SDK) | 66 | 40 |
| Wasserfest | nein | IPX7 (optional) | MiniX IP68 (optional) |
| Software | EMG & Motion Tools + Biofeedback | EMG & Motion Tools | EMG & Motion Tools |
| Ideal für | kleine Praxis, Reha, Biofeedback, Lehre | klinische Routine, etablierte Labore | Forschung, Ganzkörper, Sync-Bedarf |
Hinweis zur MDR: Alle drei Systeme sind als Medizinprodukte nach MDR klassifiziert (PicoBlue Klasse I, Wave Plus und WaveX Klasse IIa). Welche Klasse für Ihre konkrete Anwendung passend ist, hängt von der Zweckbestimmung ab – klären Sie dies im Zweifel mit dem Hersteller und Ihrer regulatorischen Verantwortung.
„Wenn … dann …“ – die Kurzform:
- Wenn Sie mobil in einer kleinen Praxis wenige Muskeln messen und Wert auf einfache Bedienung legen, dann PicoBlue.
- Wenn Sie im klinischen Routinebetrieb oder etablierten Labor zuverlässig viele Kanäle in Medizinqualität brauchen, dann Wave Plus.
- Wenn Sie forschen, Ganzkörper analysieren oder EMG mit Kraftmessplatte, footscan und Motion-Capture synchronisieren wollen, dann WaveX.
Noch unsicher? Unser Systemfinder-Quiz führt Sie in wenigen Fragen zur passenden Empfehlung.
Drei Praxis-Szenarien, durchgerechnet
Szenario A: Die Ein-Therapeuten-Physiopraxis
Ausgangslage. Eine Physiotherapeutin will Muskelaktivität im Reha-Verlauf objektiv dokumentieren und Biofeedback-Training anbieten. Typisch: Seitenvergleich (z. B. rechter vs. linker Quadrizeps) und einzelne Muskeln, dieselben Patienten über Wochen.
Kriterien-Check. Kanalzahl 2–4 genügt (Krit. 1). Mobil am Behandlungsplatz → Bluetooth-direkt (Krit. 2). 1000 Hz reichen für Aktivierung und Biofeedback (Krit. 3). Kein Ganganalyse-Bedarf → keine IMU (Krit. 7). Nicht-diagnostisch → Klasse I passt (Krit. 8). Biofeedback-Software ist zentral (Krit. 10).

Empfehlung: PicoBlue. In Sekunden verbunden, 8 g, 18 h Akku, bis 4 Kanäle – plus Anbindung an Biofeedback-Software. Keine Überdimensionierung, kein Receiver-Overhead.
Szenario B: Die Reha-Klinik mit Bewegungslabor
Ausgangslage. Eine Klinik betreibt ein kleines Ganglabor und misst regelmäßig Muskelketten der unteren Extremität im klinischen Alltag – reproduzierbar, dokumentationspflichtig, mit medizinischer Zweckbestimmung.
Kriterien-Check. 8–16 Kanäle für Muskelketten (Krit. 1). Fester Laborraum, Distanzen bis zur Ganghalle → Receiver mit 40 m (Krit. 2, 5). 2000 Hz und Top-Analogwerte (Krit. 3). MDR Klasse IIa zwingend (Krit. 8). Onboard-Memory (Krit. 6). Ggf. Kinematik via IMU (Krit. 7).

Empfehlung: Wave Plus. Das meistinstallierte kabellose EMG-System, 32 Kanäle, 2000 Hz, MDR IIa + ISO 13485, 66 Analog-Ausgänge für Sync, automatische Impedanzprüfung vor jeder Messung. Bewährte Zuverlässigkeit für den Tagesbetrieb.
Szenario C: Das universitäre Bewegungslabor
Ausgangslage. Eine Forschungsgruppe untersucht Ganzkörper-Bewegungen und will EMG mit vorhandenem Motion-Capture (Vicon) und Kraftmessplatten synchronisieren. Publikationen und Drittmittel-Ausschreibungen setzen offene Schnittstellen voraus.
Kriterien-Check. 16–36 Kanäle für Ganzkörper (Krit. 1). EMG+IMU synchron (Krit. 7). Analog-Sync und C3D/ASCII-Export (Krit. 9). 2000 Hz, 16-bit (Krit. 3). Skalierbarkeit für künftige Projekte (Krit. 1).

Empfehlung: WaveX. 18/36 Kanäle erweiterbar, Touchscreen-Receiver, WiFi-Download (10× schneller), EMG+IMU in MiniX/PicoX, 40 Analog-Ausgänge, systemagnostische Integration. PicoLite (7 g) für artefaktkritische Messungen. Details: „EMG für Forschung und Motion-Capture“.
Häufige Fehler beim EMG-Kauf
1. Überdimensionierung. Das 36-Kanal-System in der Praxis, die nie mehr als 4 Kanäle nutzt. Kaufen Sie für Ihren typischen Bedarf plus etwas Wachstumsreserve – nicht für den seltensten Sonderfall.
2. MDR-Klasse ignoriert. Wer klinisch am Patienten arbeiten will, aber ein Gerät ohne passende MDR-Klasse kauft, steht vor einem nicht nachrüstbaren Problem. Die Zweckbestimmung vor dem Kauf klären (Krit. 8).
3. Software-Kosten vergessen. Der Hardwarepreis ist nur ein Teil. Lizenzmodelle, Biofeedback-Software, Schulung und Support gehören in die TCO-Rechnung. Eine Break-Even-Betrachtung finden Sie bei easyEMG.
4. Abtastrate überbewertet. 2000 Hz klingen besser als 1000 – aber ohne guten Verstärker (CMRR, Rauschen, Impedanz) bringt die höhere Rate nichts. Beurteilen Sie das Gesamtpaket der Signalqualität (Krit. 3).
5. Integration zu spät bedacht. Wer erst nach dem Kauf merkt, dass die Sync mit Kraftmessplatte oder Motion-Capture fehlt, hat ein teures Problem. In integrierten Laboren sind Analog-Ausgänge und offene Exportformate Pflicht (Krit. 9).
Kaufprozess Schritt für Schritt
Ein strukturierter Ablauf schützt vor Fehlkäufen. So gehen Sie vor:
- Bedarf klären. Arbeiten Sie die 10 Kriterien durch. Halten Sie Kanalzahl, Einsatzumgebung, MDR-Klasse und Integrationsbedarf schriftlich fest.
- Shortlist erstellen. Reduzieren Sie auf 1–2 Systeme, die zu Ihrem Profil passen. Die Entscheidungs-Matrix hilft dabei.
- Demo / Beratung anfragen. Lassen Sie sich das System zeigen – idealerweise mit Ihren eigenen typischen Messungen.
- Angebot einholen. Achten Sie auf die Gesamtkosten: Hardware, Software-Lizenzen, Schulung, Support, Verbrauchsmaterial.
- Schulung & Einführung. Planen Sie Einarbeitung ein. Ein gut geschultes Team holt aus jedem System mehr heraus als teure Hardware ohne Know-how.
Persönliche Beratung? Unsere Spezialisten helfen Ihnen, das passende System für Ihre Anwendung zu finden. → Beratung anfragen
Häufig gestellte Fragen
Wie viele EMG-Kanäle brauche ich?
Das hängt von Ihrer typischen Fragestellung ab: Für Seitenvergleiche und einzelne Muskeln reichen 2 Kanäle, für funktionelle Muskelketten 4–8, für Ganzkörper-Ganganalysen 16 und mehr. Orientieren Sie sich an Ihrem regelmäßigen Bedarf plus etwas Reserve – nicht am seltensten Sonderfall.
Welche MDR-Klasse brauche ich für mein EMG-System?
Das richtet sich nach der Zweckbestimmung Ihrer Anwendung. Im menios-Portfolio ist PicoBlue als Klasse I klassifiziert, Wave Plus und WaveX als Klasse IIa. Welche Klasse für Ihren Einsatz passend ist, klären Sie am besten im Vorfeld mit dem Hersteller und Ihrer regulatorischen Verantwortung. Die MDR-Klasse eines Geräts lässt sich nachträglich nicht ändern.
Was kostet die Software für ein EMG-System?
Zu den menios-EMG-Systemen gehören die kostenlosen EMG & Motion Tools für die Standardauswertung. Spezialisierte Biofeedback-Software ist eine eigene Kategorie mit eigenen Lizenzmodellen – eine detaillierte Kostenbetrachtung inklusive Break-Even-Rechnung finden Sie bei easyEMG.
Kann ich ein EMG-System später erweitern?
Bei receiverbasierten Systemen wie WaveX ist die Kanalzahl erweiterbar (18 auf 36) und Sensoren lassen sich ergänzen. Ein Bluetooth-Direktsystem wie PicoBlue ist auf bis zu 4 Kanäle ausgelegt. Wer Wachstum erwartet, sollte die Skalierbarkeit von Anfang an einplanen.
Bluetooth oder Receiver – was ist besser?
Keines ist grundsätzlich besser. Bluetooth-direkt (PicoBlue) ist maximal einfach und portabel für die Praxis. Ein RF-Receiver (Wave Plus, WaveX) bietet größere Reichweite, mehr Kanäle und Analog-Ausgänge zur Synchronisation – die richtige Wahl fürs Labor.
Wie lange dauert die Lieferung?
Lieferzeiten hängen von Konfiguration und Verfügbarkeit ab. Für eine konkrete Auskunft zu Ihrem Wunschsystem kontaktieren Sie uns bitte direkt – wir beraten Sie auch zur passenden Konfiguration.
Fazit: Bedarf schlägt Datenblatt
Wer ein EMG-System kaufen will, sollte sich eines merken: Der teuerste EMG-Fehlkauf ist nicht das zu günstige System – es ist das unpassende. Wer die 10 Kriterien vor dem Kauf durchgeht, Kanalzahl, MDR-Klasse, Signalqualität und Integrationsbedarf ehrlich am eigenen Anwendungsfall misst, trifft eine Entscheidung, die Jahre trägt.
Für die kleine Praxis ist das oft PicoBlue, für die klinische Routine Wave Plus, für die Forschung WaveX – aber die Systeme sind nur die Antwort. Die richtige Frage ist Ihr Bedarf.
Kostenlose EMG-Hardware-Kauf-Checkliste – die Kaufkriterien als abhakbare Entscheidungshilfe. Checkliste herunterladen (PDF, 4 Seiten). Lieber persönlich? → Beratung anfragen
Quellen
- Produktdaten (Kanäle, Hz, Gewicht, MDR, Analog-Ausgänge, Reichweite, Akku): menios-Produktdatenbank, Stand Juli 2026.
- MDR-Klassen (I vs. IIa, Zweckbestimmung): EU-Medizinprodukteverordnung 2017/745.
- EMG-Signalqualität (Frequenzband, Abtasttheorem, CMRR, Rauschen, Impedanz): SENIAM-Empfehlungen; De Luca, „The Use of Surface Electromyography in Biomechanics“.