EMG in der Physiotherapie: Was die Evidenz 2020–2025 wirklich zeigt
Was EMG in der Physiotherapie belegt leistet: Evidenz nach Indikation — Schlaganfall, Kreuzband, Knie-TEP, Schulter, Rücken, Beckenboden. Mit Effektgrößen.
Wer heute über den Einsatz von EMG in der Physiotherapie entscheidet, bekommt zwei Erzählungen zu hören. Die eine verspricht messbare Fortschritte in jeder Indikation. Die andere hält Oberflächen-EMG für teure Kosmetik neben gut dosierter Übungstherapie. Beide sind zu einfach.
Die Studienlage der Jahre 2020 bis 2025 zeichnet ein deutlich schärferes Bild — und es ist ein differenziertes: EMG-Biofeedback wirkt in einigen Indikationen belegbar, in anderen ebenso belegbar nicht. Wer die Grenze zwischen beiden kennt, trifft eine bessere Investitionsentscheidung als jemand, der nur die positiven Studien gelesen hat.
Dieser Beitrag geht die relevanten Indikationen einzeln durch, nennt die Effektgrößen aus aktuellen Meta-Analysen und arbeitet am Ende das Muster heraus, das die widersprüchlichen Befunde erklärt.
Wie diese Übersicht zustande kam
Berücksichtigt wurden systematische Übersichtsarbeiten, Meta-Analysen und randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) mit Publikationsdatum ab 2020, ergänzt um zwei ältere Referenzarbeiten, wo keine neuere Evidenz existiert. Ausgewählt wurden Arbeiten, die EMG-Biofeedback zusätzlich zur Standardtherapie gegen dieselbe Standardtherapie ohne Biofeedback prüfen — das ist die Frage, die in der Praxis zählt. Studien ohne aktive Kontrollgruppe wurden nicht als Wirksamkeitsbeleg gewertet.
Effektgrößen werden als standardisierte Mittelwertdifferenz (SMD) mit 95-%-Konfidenzintervall angegeben. Als grobe Einordnung gilt: SMD um 0,2 ist ein kleiner, um 0,5 ein mittlerer, ab 0,8 ein großer Effekt. Entscheidend ist dabei weniger der Punktwert als die Frage, ob das Konfidenzintervall die Null einschließt.

Schlaganfall: die belastbarste Evidenz
Die derzeit stärkste Datenbasis liegt in der neurologischen Rehabilitation. Eine Meta-Analyse aus zehn RCTs mit 303 Teilnehmenden fand für EMG-Biofeedback zusätzlich zur Standardtherapie einen signifikanten Vorteil bei der Extremitätenfunktion nach Schlaganfall: SMD 0,44 (95-%-KI 0,12–0,77; p = 0,008) [1]. Besonders deutlich fielen die Zugewinne beim Bewegungsausmaß aus — Schulter SMD 1,49 (95-%-KI 0,77–2,22), Handgelenk SMD 0,77 (95-%-KI 0,13–1,42).
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens war der Effekt kurzfristig (bis ein Monat) abgesichert, langfristig dagegen nicht mehr (SMD 0,61; 95-%-KI −0,11–1,33). Zweitens sind 303 Teilnehmende über zehn Studien eine schmale Basis. Die Richtung ist konsistent, die Präzision begrenzt.
Plausibel ist der Befund trotzdem: Nach einem Schlaganfall ist das Problem selten die Muskelmasse, sondern die willkürliche Ansteuerung. Genau da setzt eine Rückmeldung an, die eine sonst unsichtbare Muskelaktivität sichtbar macht.
Nach VKB-Rekonstruktion: deutlicher Effekt auf die Streckung
Nach vorderer Kreuzbandrekonstruktion ist das Aktivierungsdefizit des Quadrizeps das therapeutische Kernproblem. Eine systematische Übersicht mit Meta-Analyse (acht Studien qualitativ, vier gepoolt) fand für die Knieextension einen großen Effekt zugunsten des Biofeedbacks: SMD 1,30 (95-%-KI 0,86–1,74) [2]. Bei der Quadrizepskraft zeigten zwei von drei Studien einen signifikanten Vorteil. Für den Lysholm-Score (MD 6,21; 95-%-KI −5,08–17,51; I² = 59 %) und für Schmerz ergab sich dagegen kein Unterschied.
Die Autorinnen und Autoren formulieren ihr Fazit bewusst zurückhaltend: EMG-Biofeedback könne in der Rehabilitation nach VKB-Rekonstruktion nützlich sein. Die Datenbasis mit vier poolbaren Studien ist dünn, und die Aussage betrifft ausschließlich kurzfristige Endpunkte.
Nach Kniechirurgie allgemein: Beweglichkeit ja, Schmerz und Funktion nein
Eine Meta-Analyse über sechs RCTs zu gemischten Knieoperationen fand einen signifikanten Vorteil beim Bewegungsausmaß (SMD 0,48; 95-%-KI 0,14–0,82; p = 0,006; I² = 37 %), aber weder bei Schmerz (SMD 0,33; 95-%-KI −0,02–0,67; p = 0,07) noch bei der körperlichen Funktion (MD 1,83; 95-%-KI −3,48–7,14; p = 0,50) [3]. Das Fazit der Arbeit ist klar: EMG-Biofeedback ist gegenüber anderen Rehabilitationsmethoden bei Schmerz und Funktion nicht überlegen.
Endoprothetik: zwei RCTs, zweimal kein Zusatznutzen
Hier wird es unbequem — und deshalb ist dieser Abschnitt wichtig. Dieselbe Arbeitsgruppe hat EMG-Biofeedback in zwei gut besetzten randomisierten Studien im stationären 21-Tage-Reha-Setting geprüft:
- Nach Knie-Totalendoprothese: 131 Patientinnen und Patienten randomisiert (67 vs. 64). Alle Endpunkte — Schmerz, KOOS, 30-Sekunden-Chair-Stand-Test, Timed Up and Go, Gehhilfennutzung — verbesserten sich in beiden Gruppen signifikant. Zwischen den Gruppen: kein signifikanter Unterschied [4].
- Nach Hüft-Totalendoprothese: 90 randomisiert, 83 ausgewertet, EMG-Biofeedback bei 80 % der maximalen isometrischen Kontraktion, 15 Minuten pro Sitzung. Ergebnis identisch: beide Gruppen verbessern sich deutlich, kein Zusatznutzen durch das Biofeedback [5].
Zwei unabhängige Gelenke, zweimal derselbe Nullbefund, jeweils mit ordentlicher Fallzahl. Das ist ein stärkeres Signal als viele der positiven Einzelstudien.
Gonarthrose: Schmerz ja, Funktion nein
Bei Kniearthrose ist die Datenlage dünn geblieben. Der belastbarste RCT (46 randomisiert, 41 ausgewertet, acht Wochen, zweimal wöchentlich) fand eine signifikant stärkere Schmerzreduktion in der Biofeedback-Gruppe (VAS, p < 0,001), aber keinen Unterschied bei WOMAC (p = 0,702), Lequesne-Index oder der sonografisch gemessenen Muskeldicke des M. vastus medialis obliquus (p = 0,398) [6].
Bemerkenswert ist ein Nebenbefund: Die Patientenzufriedenheit lag in der Biofeedback-Gruppe bei 80,9 ± 8,9 % gegenüber 63,0 ± 14,9 % (p = 0,001). Ein Teil des Schmerzeffekts dürfte auf Motivation und Erwartung zurückgehen. Für die Adhärenz ist das durchaus relevant — als Wirksamkeitsnachweis für den Muskel taugt es nicht.
Schulter und Skapuladyskinesie: selektiv, aber präzise
Eine Meta-Analyse aus vier RCTs mit 155 Patientinnen und Patienten (78 mit Biofeedback plus Übungen, 77 nur Übungen) zeigt ein feinkörniges Bild [7]: Die Aktivität des M. trapezius pars ascendens stieg bei der Armelevation signifikant (MD 7,22 %; p = 0,010) und beim Absenken (MD 2,26 %; p < 0,001). Das Verhältnis von M. trapezius pars descendens zu M. serratus anterior verbesserte sich signifikant (MD 0,15; p = 0,04). Bei der skapulären Kinematik — Aufwärtsrotation MD 1,13° (p = 0,07), Abwärtsrotation MD 1,2° (p = 0,08) — blieben die Ergebnisse dagegen unschlüssig.
Übersetzt: Das Biofeedback erreicht genau das, was es adressiert — die gezielte Ansteuerung eines schwer zu spürenden Muskels. Es verändert aber nicht automatisch das gesamte Bewegungsmuster.
Chronischer Rückenschmerz: Schmerz ja, Funktion offen
Ein virtuell durchgeführtes Pilot-RCT über acht Wochen (81 randomisiert, 50 per Protokoll ausgewertet) fand beim Primärendpunkt Schmerzintensität einen signifikanten Gruppenvorteil (Gruppe × Zeit: F = 6,45; p = 0,01; mittlere Differenz 0,9 Punkte) [8]. Bei Schmerzinterferenz und Funktionsbeeinträchtigung (Oswestry Disability Index) verbesserten sich beide Gruppen, ohne Gruppenunterschied. Ein Sham-Biofeedback gab es nicht, die Drop-out-Rate war hoch.
Eine ältere Meta-Analyse über 21 Studien mit 1.062 Patientinnen und Patienten fand für Biofeedback bei chronischem Rückenschmerz mittlere Effekte auf die Schmerzintensität (Hedges‘ g 0,60; 95-%-KI 0,44–0,76), die auch nach rund acht Monaten Bestand hatten (g 0,62) [9]. Sie stammt allerdings von 2017 und mischt verschiedene Biofeedback-Modalitäten. Eine aktuelle Meta-Analyse speziell zu Oberflächen-EMG-Biofeedback bei chronischem Rückenschmerz fehlt bislang.
Beckenboden: kleiner Effekt, klare Indikationsstellung
Die aktuellste Evidenz kommt aus der Urogynäkologie. Eine Meta-Analyse aus acht RCTs mit 1.045 Frauen (518 mit EMG-Biofeedback plus Beckenbodentraining, 527 mit Beckenbodentraining allein) fand kleine, aber signifikante Vorteile beim Inkontinenz-Schweregrad (SMD 0,17; 95-%-KI 0,05–0,30) und bei der Lebensqualität (SMD 0,21; 95-%-KI 0,08–0,34) sowie einen mittleren Effekt auf die Beckenbodenmuskelkraft (SMD 0,56; 95-%-KI 0,09–1,03) [10].
Die Empfehlung der Arbeit ist ausdrücklich selektiv statt routinemäßig: Der Nutzen entsteht vor allem bei Frauen, die die korrekte Kontraktion nicht wahrnehmen, und zu Beginn der Therapie. Ein Hinweis auf Small-Study-Effekte (Egger-Test p = 0,0118) mahnt zusätzlich zur Vorsicht.
Zur Abgrenzung: Bei überaktiver Blase — einer anderen Indikation — fand eine Meta-Analyse aus acht Studien mit 562 Patientinnen für biofeedback-gestütztes Beckenbodentraining durchgängig keine signifikanten Effekte [11].
Was in den Studien tatsächlich gemacht wurde
Effektgrößen sagen wenig, solange unklar bleibt, welche Dosis dahintersteht. Die Protokolle der zitierten Arbeiten sind erstaunlich einheitlich — und deutlich niedrigschwelliger, als viele erwarten:
| Indikation | Sitzungsdauer | Frequenz | Gesamtdauer |
|---|---|---|---|
| Hüft-Totalendoprothese [5] | 15 min zusätzlich zur Standardtherapie | täglich, stationär | 21 Tage |
| Knie-Totalendoprothese [4] | zusätzlich zum Standardprogramm | täglich, stationär | 21 Tage |
| Gonarthrose [6] | 15 min | 2× pro Woche | 8 Wochen |
| Chronischer Rückenschmerz [8] | 40–45 min, virtuell begleitet | 1× pro Woche + Heimübung | 8 Wochen |
| Nach Kreuzbandrekonstruktion [2] | studienabhängig | studienabhängig | 4–12 Wochen |

Drei Punkte sind daran bemerkenswert.
Erstens ist die Zusatzzeit gering. 15 Minuten pro Einheit sind der häufigste Wert. Das ist eine Größenordnung, die sich in eine reguläre Behandlung integrieren lässt — es geht nicht um ein separates Trainingsprogramm.
Zweitens ist die Zielvorgabe konkret. Im Endoprothetik-RCT wurde bei 80 Prozent der maximalen isometrischen Kontraktion zurückgemeldet [5]. Eine definierte Zielschwelle statt „so viel wie möglich“ ist offenbar Teil des Wirkprinzips — sie macht aus einer Anzeige eine Aufgabe.
Drittens ist die Adhärenz begrenzt. In der Rückenschmerz-Studie wurden von acht geplanten Sitzungen im Mittel 6,8 wahrgenommen, und von 81 randomisierten Personen gingen 50 in die Auswertung ein [8]. Wer mit EMG-Biofeedback plant, sollte Drop-out einkalkulieren — auch das ist ein Argument für kurze Rüstzeiten und einfache Bedienung.
Was die Evidenz noch nicht hergibt
Drei Fragen, die in der Praxis regelmäßig gestellt werden, sind derzeit nicht belastbar zu beantworten:
- Wie viele Sitzungen sind nötig? Keine der zitierten Arbeiten hat Dosis-Wirkungs-Beziehungen untersucht. Die Protokolle sind gesetzt, nicht optimiert.
- Hält der Effekt an? Langzeitdaten fehlen fast durchgängig. Bei Schlaganfall war der Kurzzeiteffekt signifikant, der Langzeiteffekt nicht mehr [1].
- Wirkt es auch ohne Therapeutenbegleitung? Alle zitierten Studien setzen supervidierte oder zumindest angeleitete Anwendung voraus. Für reines Heimtraining mit EMG-Rückmeldung liegt keine belastbare Evidenz vor.
Diese Lücken sind kein Argument gegen die Methode. Sie sind ein Argument dafür, Erwartungen realistisch zu setzen — gegenüber Patientinnen und Patienten wie gegenüber Kostenträgern.
Das Muster hinter den Widersprüchen
Legt man die Befunde nebeneinander, ordnen sie sich erstaunlich sauber:
EMG-Biofeedback wirkt, wenn das Problem die Ansteuerung ist. Schlaganfall, Quadrizeps-Aktivierungsdefizit nach VKB-Rekonstruktion, ein schwer zu spürender M. trapezius pars ascendens, eine nicht wahrgenommene Beckenbodenkontraktion — überall dort liefert die Rückmeldung eine Information, die die Person sonst nicht hat.
Es wirkt nicht zusätzlich, wenn das Problem die Belastungsdosis ist. Nach Knie- oder Hüftendoprothese ist die Ansteuerung meist intakt; was fehlt, ist Trainingsreiz über Zeit. Ein Bildschirm, der zeigt, was die Person ohnehin spürt, fügt dem nichts hinzu. Genau das zeigen die beiden Endoprothetik-RCTs.
Eine systematische Übersicht über zehn RCTs mit 397 Teilnehmenden aus Sport- und orthopädischer Rehabilitation kommt zur selben vorsichtigen Bilanz: wirksam „in bestimmten Kontexten“, bei erheblicher Heterogenität und ohne standardisierte Protokolle [12].

Was das für EMG in der Physiotherapie praktisch heißt
Für die Ausstattungsentscheidung folgen daraus vier praktische Punkte.
Erstens: Die Indikation entscheidet, nicht das Gerät. Ein System zahlt sich dort aus, wo Sie regelmäßig Patientinnen und Patienten mit Ansteuerungsproblemen behandeln — Neurologie, Sportorthopädie nach Knieoperationen, Beckenbodentherapie. Eine Praxis mit Schwerpunkt Endoprothetik-Nachsorge findet in der Evidenz wenig Rückhalt für die Anschaffung.
Zweitens: Die Messqualität begrenzt den Nutzen. Alle zitierten Effekte setzen saubere Signale voraus. Elektrodenplatzierung nach SENIAM-Standard und eine korrekte Normalisierung auf eine Referenzkontraktion sind keine Feinheiten, sondern Bedingung — die Grundlagen dazu stehen im Einsteiger-Leitfaden zum Oberflächen-EMG.
Drittens: Biofeedback ist eine Zusatzintervention, kein Ersatz. In sämtlichen zitierten Studien verbesserten sich auch die Kontrollgruppen deutlich. Die Frage lautet nie „Biofeedback oder Übungstherapie“, sondern „Übungstherapie mit oder ohne Rückmeldung“.
Viertens: Der Aufwand muss zum Effekt passen. Bei kleinen Effektstärken entscheidet die Praktikabilität. Ein System, das in zwei Minuten einsatzbereit ist, wird genutzt; eines mit fünfzehn Minuten Rüstzeit bleibt im Schrank. Kompakte kabellose Sensoren wie PicoBlue — ein CE-gekennzeichnetes Medizinprodukt — sind hier im Vorteil gegenüber stationären Messplätzen.
Grenzen dieser Evidenzlage
Drei methodische Einschränkungen gelten für praktisch alle zitierten Arbeiten. Die Fallzahlen sind klein: Die größte hier genannte Meta-Analyse kommt auf 1.045 Teilnehmende, die meisten liegen deutlich darunter. Eine Verblindung ist bei Biofeedback kaum möglich — Sham-Kontrollen sind selten, und der Zufriedenheitsunterschied im Gonarthrose-RCT zeigt, wie groß die Erwartungskomponente sein kann. Und die Protokolle sind heterogen: Sitzungsdauer, Frequenz, Zielmuskeln und Feedback-Modalität unterscheiden sich zwischen den Studien so stark, dass gepoolte Effektschätzer mit Vorsicht zu lesen sind.
Wer daraus schließt, EMG-Biofeedback sei unwirksam, überinterpretiert genauso wie jemand, der aus den positiven Befunden eine universelle Indikation ableitet.
Fazit
Die Evidenz 2020–2025 zeigt EMG in der Physiotherapie als gezieltes Werkzeug mit klarem Anwendungsprofil: belegte Effekte bei Ansteuerungs- und Wahrnehmungsproblemen — Schlaganfall, Quadrizepsaktivierung nach VKB-Rekonstruktion, skapuläre Muskelbalance, Beckenboden. Kein belegter Zusatznutzen dort, wo schlicht Trainingsdosis fehlt, insbesondere in der Endoprothetik-Nachsorge.
Diese Differenzierung ist keine Schwäche der Methode, sondern ihre Stärke: Sie sagt Ihnen, wann sich die Investition rechnet — und wann nicht.
Wenn Sie prüfen möchten, ob EMG-Biofeedback zu Ihrem Patientenspektrum passt, fragen Sie eine kostenlose Beratung an. Wir gehen Ihre typischen Indikationen durch und sagen Ihnen offen, wenn ein System bei Ihrem Schwerpunkt wenig beiträgt. Wie sich die Rückmeldung in der täglichen Behandlung darstellt, zeigt die Biofeedback-Software easyEMG für die Physiotherapie; die anatomischen Referenzpositionen der genannten Muskeln finden Sie im kostenlosen 3D-Muskelatlas.
Häufige Fragen
Ist EMG-Biofeedback in der Physiotherapie wissenschaftlich belegt?
Teilweise. Für die Extremitätenfunktion nach Schlaganfall (SMD 0,44), die Knieextension nach Kreuzbandrekonstruktion (SMD 1,30), die skapuläre Muskelaktivierung und das Beckenbodentraining bei Belastungsinkontinenz (SMD 0,56 für die Muskelkraft) liegen signifikante Effekte aus Meta-Analysen vor. Nach Knie- und Hüftendoprothese fanden zwei randomisierte Studien dagegen keinen Zusatznutzen.
In welchen Indikationen lohnt sich EMG-Biofeedback am meisten?
Überall dort, wo die willkürliche Ansteuerung eines Muskels gestört oder schwer wahrnehmbar ist: neurologische Rehabilitation, Quadrizeps-Aktivierungsdefizit nach Knieoperationen, skapuläre Dysbalancen, Beckenbodentherapie. Bei reinen Belastungs- und Dosierungsproblemen ist kein Zusatznutzen belegt.
Ersetzt EMG-Biofeedback die klassische Übungstherapie?
Nein. In allen ausgewerteten Studien verbesserten sich auch die Kontrollgruppen mit reiner Übungstherapie deutlich. EMG-Biofeedback wurde ausschließlich als Ergänzung geprüft, nie als Ersatz.
Wie groß sind die Effekte in der Praxis?
Meist klein bis mittel. Standardisierte Mittelwertdifferenzen zwischen 0,17 und 0,56 sind typisch; nur einzelne Endpunkte wie die Knieextension nach Kreuzbandrekonstruktion oder das Schulterbewegungsausmaß nach Schlaganfall erreichen große Effekte über 1,0.
Warum widersprechen sich die Studien scheinbar?
Weil sie unterschiedliche Probleme untersuchen. Wo ein Ansteuerungsdefizit vorliegt, liefert die Rückmeldung eine Information, die sonst fehlt. Wo Muskelkraft schlicht durch Training aufgebaut werden muss, fügt die Anzeige nichts hinzu. Das erklärt die positiven Befunde bei Schlaganfall und Kreuzband ebenso wie die Nullbefunde in der Endoprothetik.
Wie verlässlich sind EMG-Verlaufsmessungen über mehrere Sitzungen?
Verlässlich, wenn Aufgabe und Messposition standardisiert sind. Eine Reliabilitätsstudie fand für eine standardisierte Extension in Bauchlage exzellente Werte (ICC 0,92–0,96), für unstandardisiertes Sitzen dagegen nur moderate (ICC 0,50–0,77). Die Aufgabe beeinflusst die Reproduzierbarkeit stärker als der zeitliche Abstand.
Quellen
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